Meine Schlaganfälle

Ich heiße Werner Dziad. 69 Jahre alt. Verheiratet, habe
zwei Kinder und einen Enkelsohn.

Zum Schreiben der Berichte, da brauchte ich vier Monate

Mit 49 Jahren bekam ich die Schlaganfälle. Den zweiten hatte ich am 10.03.1997.
In der Mittagspause wir spielten gerade Schafskopf, als meine Karten plötzlich auf
dem Boden lagen, ich bückte mich hob sie auf, und sie lagen immer noch auf den
Boden und plötzlich sagte Pit, dein Mundwinkel ist ja ganz verzogen,
sprang auf und holte den Rettungswagen der brachte mich ins
Krankenhaus Rothenburg o/T von dort nach Ansbach in die Röhre, wo
sie mir sagten dass ich vor ca. 1 Jahr, schon einen Schlaganfall hatte
und den dritten Schlaganfall in der darauf folgenden Nacht. Der dritte
brachte mein Sprechvermögen durcheinander, wenn ich rechts dachte
sagte ich links, eine Verständigung wäre da nicht mehr möglich
gewesen. Ich hatte eine ausgeprägte Aphasie und Dysarthie. Durch den
Schlaganfall.

Ich lag drei Wochen in Rothenburg o/T auf Station. Der Chefarzt wollte mich
gleich nach Hause lassen, da ich ein Schwerstplegefall war. Was die
Stationsärztin anregte, blockte er ab. Wenn da meine Frau nicht gewesen
wäre, die es fertig brachte dass ich doch auf eine Reha kam, wäre ich
verloren gewesen.

Am 30.03.1997, kam ich in die Klinik für Rehabilitation nach Dobel
 Wo sich nach fünf Tagen bei mir eine tiefe Beinvenenthrombose
einstellte. Zuerst kam ich nach Bad Herrenalb in die Röhre, dann zurück
nach Dobel wo man mich nicht mehr nehmen konnte, wegen Marcumar
Einstellungen, dann in das Klinikum Karlsbad - Langensteinbach. Ich
kam nach Langensteinbach ohne Geldbeutel, ohne Personalausweis,
ohne Krankenkarte.
Die Schwester setzte sich abends an mein Bett,
um zu erfahren wer ich bin, und woher ich komme um meiner Frau
Nachricht zu geben. Nach ca. einer halben Stunde hatte Sie mich so weit, dass
ich von Alkertshausen sprach, und Heiligenbronn meinte. Alkertshausen
lag an der Westgrenze von Schrozberg und Heiligenbronn an der
Ostgrenze. Es war eine furchtbare Zeit. Von da da an musste meine Frau
 jeden Tag anrufen.
Da musste ich zwei Wochen ruhig liegen, bis die
 Beinvenenthrombose vorbei war und ich mit Marcumar eingestellt war.

Ich wollte wieder zurück nach Dobel wo die Schwestern und Ergotherapeuten
und Logopädin so nett waren. Und der Stundenplan ging so. Sechs Tage die Woche.

Logopädin Annette U. von 9 Uhr - 9.30 Uhr. Krankengymnastin Kirsten
Vögele von 9.30 Uhr - 10.30 Uhr. Ergo-Gymnasten Christoph Ringelstetter
von 11.00 Uhr - 12.00 Uhr. Kranken Gymnastin Gaby Rometsch 13.30 Uhr -
14.00 Uhr. Lymphdrüsentreinage 15.30 Uhr - 16.00 Uhr. Am 23. 04. 1997 war
ich wieder in unserer neurologischen Frührehabilitation in Dobel und im
Anschluss biss 30.07.1997. zur Anschlussheilbehandlung befand.

Zustand nach Stammganglienininfarkt links am 10.03.1997.

Brachiolfacialbetonder Hemisparese rechts Aphasie und Dysphagie.

Zustand nach tiefer Beinvenenthrombose rechts bei Protein-S-Mangel
und verminderter ACP-Resistenz.
Arterielle Hypertonie.
Hyperhpoproteinamese.
Pathologische Glucoetolera.

Am 30.07.1997. durfte ich nach Hause. Kreiselmeyers Andrea und meine Frau
holten mich ab. Ich hatte noch eine Valenzer Fussheber Schiene. Seit Krank-
heits ausbruch war der Rollstuhl das einzige Fortbewegungsmittel für mich. Zu-
hause angekommen schob ich mit dem Rollstuhl zweihundert Meter bis zum
nächsten Querweg und wieder zweihundert Meter zurück, in zweieinhalb Stunden

Mein Ziel war es, ohne Rollstuhl nur mit dem Stock zu gehen. Mein Tagesablauf
war so. Aufstehen. Beim Anziehen Knopf von der Hose zumachen legte ich mich
aufs Bett, und die Füße am Schrank hoch, wenn ich später nochmals auf dem
Kloo war, machte mir die Oma die Hose zu. Frühstücken, die Oma richtete mir
die Brötchen, Staubsaugen, es ging langsam aber es ging. Danach fütterte ich die
Hühner, in einer halben Stunde. Und dann hinkte ich zum Rollstuhl, schaute
ihn an, und hinkte ohne in mitzunehmen fort. Zuerst schaffte ich zweihundert
Meter, dann vierhundert Meter, dann tausend Meter, in zweieinhalb Stunden.

Nach dem Mittagessen eine kleine Schlafpause. Dann ging es weiter mit der
Logopädin. Frau Bremm - Schuster war eine prima Logopädin. In der Anfangszeit
wo wir zusätzlich einen Termin abends zu dritt hatten, der Ralph Dürr und
Gerhard Stoll. Der eine musste ein Tier merken, und wir beide mussten es
erraten. Einmal rieten und rieten wir, da probierte ich es von der anderen
Seite, und plötzlich sagte Gerhard ja. Die Logopädin lachte und lachte. Ich
wurde rot vor Zorn und sagte ohne mich. Ich musste ein drei viertel Jahr warten
bis wieder ein Termin frei war der führ mich passte. Und dann redeten wir über
alles, und jetzt klappte es.
.
Am Montag um 9.00 Uhr Krankengymnastik bei Wolfgang Baumann, um
10.15 Uhr Logopädischer Unterricht bei Frau Bremm-Schuster. Am Mittwoch
um 17.15 Uhr Ergo-Therapie bei Hermann Schmidt . Am Freitag um 9.00 Uhr
wieder Krankengymnastik.
Und das seit zwanzig Jahren. Seit 2003 haben wir eine neue Logopädin. Frau Olga
Fahrenbruch aus der Praxis Zierhut von Uffenheim. Am Anfang als ich aus der
Reha entlassen wurde hatte ich beim Aachener Aphasie Test (AAT) 35% .
Jetzt nach zwanzig Jahren liege ich bei ca. 80%. Wenn das kein guter Erfolg ist.
Und harte Arbeit.
Seit dem 17.01.2007. bin ich in der Praxis für Logopädie
Jutta Klein und Anne Tiersch, bei Anne Tiersch. Sie machte es möglich, dass
ich Donnerstag Logopädischer Praxis und Ergo Therapie hatte.
Seit 26. November 2009 bin ich bei der Logopädin Frau Ingrid Edelhäuser.
In der Praxis Jutta Klein und Anne Richter. . Seit 20. Januar .2011 bin ich
bei der Logopädin Karin Pfister. Nach ihren Abschied von der Praxis Jutta Klein
 u. Anne Richter habe ich die Logopädie bei Anne Richter. Seid September bin ich
bei Annemarie Frieling.Sie ging am 27.April 2017

Im ersten Jahr wenn wir im Wald spazieren gingen und über den Weg ein
Stecken lag, musste meine Frau meinen Fuss darüber heben.

Der rechte Arm und Fuß ging auch nicht und die linke Seite vom Kopf, aber
trotzdem, “Hurra wir leben noch”

Ich fing wieder an, wie ein sechsjähriger Junge zu lernen, zu schreiben mit der
linken Hand und zu rechnen.

Mit dem Werner Henninger lernte ich wieder zu singen, im zweiten Jahr liefen wir
oben am Wasserturm spazieren da fiel mir plötzlich ein Lied ein, ich blieb stehen
und sang den ersten Vers komplett durch. Ich weinte weil ich wieder singen
konnte. Mit meinem Computer, mit dem ich vor meinen Schlaganfällen die
Leistungsliste und die Fehlerlisten und Prüfliste fürs Geschäft machte, wusste
ich nichts mehr anzufangen. Ich wusste kein Passwort mehr. Der Daniel
Himmelein, der Informatik studierte, richtete ihn mir neu ein. Danke dem Daniel,
er kam immer wenn ich ihn brauchte. Im ersten Jahr rief ich ihn sechsmal pro
Woche an, wenn mir der Computer abstürzte, und nun reicht es mir einmal pro
Jahr, dass der Daniel kommt.


Die Logopädin sagte auch, von Hunderten von Patienten gäbe es keinen wie
mich, der immer so viele Hausaufgaben fordert.
Es sind 11 Stücke für Aphasiker auf dem Computer, Coogpack das vielfältigste
Programm, Alphabet, Mi Ma Mo Phonologische Bewusstheit, Pushi und Co.
darum ist er für mich so wichtig. Es geht langsam, aber es geht.

Ich bin jetzt seit ca. 1999 Mitglied der Selbsthilfegruppe Ansbach, wo Ralph
Dürr Aphasiker Vorstand war, Wir treffen uns einmal im Monat da können wir
Erfahrungen austauschen. Es gibt Kaffee und Kuchen. Und die Geselligkeit
darf auch nicht zu kurz kommen. Vorträge gibt es auch sehr viel. Der Werner
Henninger ist auch dabei, mit dem ich jede Woche  zwei bis drei mal laufe oder
Therapiedreirad fahre. Seit 2008 ist Werner Henninger leider verstorben.
Mit ihm konnte ich mich sehr gut unterhalten und Lieder singen. Er wusste
wovon ich sprach. Es ging ihm genau so schlecht.

Und seit dem 17. 11.2003 gründeten wir in Rothenburg eine
Selbsthilfegruppe. Wir sind ca. 28 Mitglieder. Und ich bin vom Bayrischen
Landesverband als Regionalgruppenleiter vorgeschlagen.

Mit diesen Posten habe ich eine Aufgabe, die mich vorwärts bringt, siehe das
PC schreiben usw. und ich anderen Betroffen helfen kann. Weil der
Regionalgruppenleiter zwei mal im Jahr Fortbildungskurse des
Bayrischen Landesverbandes besucht, und was er dort erfährt,
seinen Aphasikern weitergibt.

Nach zwanzig Jahren kriege ich meine Behandlungen noch verschrieben.
Bei dieser Krankheit ist es sehr wichtig, das die Therapien immer weiter
gehen und immer noch eine kleine Verbesserung zu bekommen, da
sich sonst das Krankheitsbild wieder verschlechtert.

Seit 12.05.06 werde ich für meine Spastik bei Erwachsenen Spannung
zu lösen 1/4 jährlich mit Spritzen in dem Caritas Krankenhaus behandelt.
Die Behandlung tat sehr gut.

Was mache ich in der Freizeit.
Je nach körperlicher Verfassung fahre ich mit meinem Relax-Therapie-Fahrrad,
drei bis viermal pro Woche, 3 km bis 16 km oder laufe. Seit März 09. habe ich mir einen
Motor einbauen lassen, jetzt kann ich auch die Steigungen leichter bewältigen. Im
Jahr 2010 kaufte ich mir einen zweiten Akku, damit wurde die Reichweite erhöht.
   Und im Sommer mähe ich den Rasen mit meinem Aufsitzmäher,
der ist wie für mich gerichtet, Schaltung und Kupplung links.

Am Dienstag gehe ich zum Stammtisch, seit 2003, von
17.00 Uhr bis 20.15 Uhr da wird viel gelacht.

Vor meinen Schlaganfällen hatte ich wenig Zeit um am Sonntag in die Kirche
 zu gehen, das änderte sich, nachdem ich wieder zu hause war. Heute zieht es
mich oft in die Kirche, aber ich muss zeitig los, um besser laufen zu können,
denn wenn ich die viele Menschen um mich sehe, dann löst es bei mir die
Spastik stärker aus, so dass ich unsicherer laufe. Und um vorher noch die
 Ruhe in der Kirche zu genießen, und mit Gott sprechen zu können.

Aus meiner starken Broca-Aphasie (motorischen Aphasie) hat sich eine
 amnestische Aphasie entwickelt.
 
Die amnestische Aphasie


Dieser Art der Aphasie lässt sich keine Mangeldurchblutung einer bestimmten
Arterie eindeutig zuordnen. Sie ist durch erhebliche Probleme bei der Benennung von
Gegenständen gekennzeichnet. Zwar tritt dieses Symptom auch bei anderen Formen
der Aphasie auf, aber stets in Verbindung mit weiteren sprachlichen Insuffizienzen.

Der rein amnestische Aphasiker dagegen ist durchaus in der Lage, ein normales
Gespräch zu führen und hat keine Verständnisschwierigkeiten. Erst wenn er
Objekte benennen soll oder versucht, sich an einen Namen zu erinnern,
scheitert er vollständig.

 
Diese Art der Aphasie ist auf eine Schädigung des Hirnbereiches hinter dem
 Wernicke-Areal zurückzuführen, der als Gyrus angularis bezeichet wird.

 “Die Probleme sind oft sehr gravierend und entmutigent.
Man hat angenommen, daß
diese Störung auf einer Unterbrechung von Verbindungen beruht, welche zwischen
verschiedenen sensorischen Modalitäten (und daher auch verschiedenen
Regionen des Gehirns) vermitteln, die am Vorgang des Benennens
beteiligt sind.”

Es war wichtig aufzuschreiben, wie es mir erging. Am Anfang hatte
ich noch große Schwierigkeiten mit der Wortzusammensetzung und
und den Formulierungen. Trotzdem war es mir wichtig, meine Erfahrungen von
der Seele zu schreiben. Aber trotzdem muss man nach vorne schauen.

Am 10 Juli 2012 hatte ich eine Krebsvorsorgeuntersuchung, die zeigte sich positiv
ich hatte auf der linken Niere eine Geschwulst mit ca. 71 x 64 x 67 mm
Am 24 Juli musste ich ins Krankenhaus, für eine siebentägige Aufenthaltsdauer.
Aufgrund der Zentralen Lage des Tumors war eine Organerhaltene Exzision
nicht möglich. Im CT. konnte eine Metastasierung und eine Infiltration
des Nierenhilus ausgeschlossen werden.


Werner Dziad Heiligenbronn 23, Aphasiker 74575 Schrozberg.

 

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